Die dritte große Wirklichkeits- bzw. Erkenntnis-Philosophie auf meinem Blog, neben Daoismus und Buddhismus: Stoizismus! In diesem Blog-Beitrag ein kleiner Ausschnitt, eine Zusammenfassung und Übersicht, einer großen Philosophie. Antik, zeitlos und modern. Umfassend und möglichst ganzheitlich dargestellt, mit besonderem Fokus auf praktische Anwendbarkeit, aus der Perspektive eines einfachen und natürlichen Lebens. Was nützt Stoizismus im Alltag? Wie werde ich glücklich? Wie lebt man ein “gutes” Leben?

Das und vieles mehr in diesem Beitrag!

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung und Übersicht

Als erstes folgt eine kurze Einleitung zur ersten groben Einordnung und Definierung des Begriffs bzw. der Philosophie, dann folgen ein paar artverwandte Strömungen zum besseren Verständnis und der Klärung des Umfelds und der Entstehung – quasi die Grundlage und Rahmenbedingungen – und dann geht es weiter mit dem Hauptteil und dem praktischen Kern des Stoizismus. Am Ende warten ein kurzes Fazit, meine persönliche Zitatsammlung, eigene stoische Notizen sowie weitere Empfehlungen und mehr.

Also, los gehts.

Die Philosophie der Stoa wurde um 300 v. Chr. von Zenon von Kition im antiken Griechenland begründet. Sie war für rund 600 Jahre die im Römischen Reich vorherrschende Strömung, bis sie schließlich vom Christentum verdrängt wurde.

Der Name Stoa/Stoizismus (altgriech. stoá poikílē = bunte Vorhalle) leitet sich von der Säulenhalle ab – damals mit bunten Gemälden, auf dem Marktplatz von Athen – bei der sich die alten und frühesten Stoiker üblicherweise trafen und philosophierten.

Zu den heute bekanntesten Stoikern bzw. zu denen, von denen wir heute noch am meisten wissen, zählen unter anderem Marcus Aurelius – seinerzeit römischer (Philosophen-) Kaiser, Seneca – kaiserlicher Lehrer und Berater sowie Epiktet – ehemaliger Sklave.

Beeinflusst und inspiriert wurden weite Teile des Gedankenguts der Stoa, unter anderem von Diogenes und den Kynikern, sowie auch von den Skeptikern und den Epikureern (u.a.), von denen man sich aber eher abgrenzte. Mehr zu diesen Strömungen gleich.

Was ist Stoizismus?

Im Folgenden ein paar verschiedene Definitionen zur ersten groben Einstufung von Stoizismus. Als Überblick – das Wesentliche auf den Punkt gebracht.

Duden:

Von der Stoa ausgehende Philosophie und Geisteshaltung, die besonders durch Gelassenheit, Freiheit von Neigungen und Affekten, durch Rationalismus und Determinismus gekennzeichnet ist.

Wikipedia:

Stoizismus ist eine kosmologische, auf Ganzheitlichkeit der Welterfassung gerichtete Betrachtungsweise, aus der sich ein in allen Naturerscheinungen und natürlichen Zusammenhängen waltendes universelles Prinzip ergibt. Für den Stoiker als Individuum gilt es, seinen Platz in dieser Ordnung zu erkennen und auszufüllen, indem er durch die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung sein Los zu akzeptieren lernt und mit Hilfe von Gelassenheit und Seelenruhe (Ataraxie) nach Weisheit strebt.

ChatGPT:

Stoizismus ist eine antike Philosophie aus Griechenland, die lehrt, dass man durch Vernunft, Selbstkontrolle und Gelassenheit ein gutes Leben führt. Entscheidend ist, sich auf das zu konzentrieren, was man beeinflussen kann, und den Rest zu akzeptieren.

Adrean:

Stoizismus ist eine Erkenntnis-Philosophie, bei der es darum geht, die Wirklichkeit zu erkennen und das eigene Handeln und Sein der Natur entsprechend anzupassen, mit dem Ziel der inneren Freiheit und Gelassenheit durch ein Leben im Einklang mit allem Äußeren.

Anmerkung: Es geht nicht um Selbstständigkeit oder Unabhängigkeit, sondern darum, das eigene Leben in Einklang mit allem (und allen) anderen zu bringen!

Das ist Stoizismus: Gelassen leben, durch Tugendhaftigkeit.

Als nächstes ein paar der bedeutendsten konkurrierenden Strömungen des Stoizismus und danach folgt der Hauptteil – der Kern des Ganzen!

Skeptizismus

Über die Skeptiker weiß ich relativ wenig, weshalb ich mich in diesem Abschnitt eher kurz halte.

Der Begriff “Skeptizismus” leitet sich vom altgriechischen Wort “Sképsis” ab, was soviel wie “Betrachtung”, “Untersuchung” oder “Prüfung” bedeutet. Entsprechend sind Skeptiker solche, die eine Sache bzw. einen Sachverhalt von allen Seiten untersuchen, um deren Beschaffenheit festzustellen. Viele Skeptiker galten auch als Sophisten. Sophisten waren und sind vor allem als Rhetoriker und Redner bekannt (abfällig: Weisheits-Schwafler).

Wikipedia sagt zum Skeptizismus:

Skeptizismus ist eine Denkrichtung der Philosophie, die sich durch Zweifel/Skepsis an der Möglichkeit gesicherter Erkenntnis auszeichnet – insbesondere hinsichtlich all dem, das über die sinnliche Erfahrung hinausgeht. Skeptiker hinterfragen (systematisch), ob Menschen überhaupt tatsächliches Wissen über die Welt erlangen können, und stellen die Grundlagen von Wissen, Überzeugungen und Wahrheit als solche infrage.

Skeptiker waren gewiss, so wie die meisten der großen Strömungen zu dieser Zeit, stark von Sokrates beeinflusst. So machten sie sich zum Beispiel Sokrates berühmten Satz “Ich weiß, dass ich nicht weiß” zum eisernen Prinzip. Gleiches lässt sich wohl auch zur Sokratischen Methode (ständiges Rückfragen) behaupten. Ihr Credo war: Wir können nichts mit Sicherheit wissen, deshalb verwerfen wir Wertung und Urteil und bilden uns keine Meinung mehr, um so Seelenruhe und Gelassenheit zu erreichen.

Ein bisschen wie die “Leere” im Buddhismus: Nicht greifen ist immer näher an der Wahrheit, weil der Versuch, die Wirklichkeit (z.B. mit Sprache und Worten) zu greifen, immer sicher daneben liegt, weil sie zu vielschichtig ist. Besser kein Bild, als ein falsches Bild. Bis hin zu den eigenen Sinnen, die ja fehlbar und relativ sind. Konsumieren wir zum Beispiel Drogen, ändert sich unsere Wahrnehmung – dann ist alles anders etc.

Abschließend die Worte von Erasmus von Rotterdam:

Skeptiker forschen und denken gründlich nach. Es fällt ihnen schwer, sich auf Bestimmtes festzulegen und sie verteidigen auch nicht, was sie vermuten. Skeptiker folgen dem, was sich bewährt hat, Nicht-Skeptiker aber dem, was sie für gewiss halten.

Weiter geht es mit den Kynikern.

Kynismus

Kynismus ist eine Strömung der antiken Philosophie mit Schwerpunkt auf radikaler Natürlichkeit und Einfachheit – durch Armut, Autonomie und Bedürfnislosigkeit.

Eine ihrer Hauptaufgaben sahen die Kyniker in der Steigerung des ethischen Bewusstseins ihrer Mitbürger, durch praktischen Skeptizismus. Als Mittel der Wahl dazu, als Werkzeug, bedienten sie sich u.a. der frechen Satire und dreisten Provokation. Sie polarisierten, um Zeichen zu setzen und Missstände öffentlichkeitswirksam darzulegen und aufzuweisen. Heutzutage wären Kyniker wohl sehr medientauglich, ideal für Social Media.

Der Begriff “Kynismus” leitet sich von dem griechischen Wort “kyon” (Hund) bzw. “kynismós” ab, was wörtlich übersetzt soviel wie „Hundigkeit“ (im Sinne von Bissigkeit) bedeutet. Der heute bekannteste Kyniker ist Diogenes von Sinope, geboren vermutlich um 413 v. Chr. – auch bekannt als Diogenes der Hund. Als offizieller Begründer des Kynismus gilt Diogenes Lehrer Antisthenes, welcher selbst mal ein Schüler des Sokrates war. 

Von den Kynikern sind keinerlei Schriften überliefert bzw. erhalten. Nur Fragmente und Erwähnungen anderer Philosophen und Schriftsteller. Die radikale Strömung der Kyniker ebbte kurz nach Diogenes ab und verschwand schließlich komplett. Vieles ist jedoch in den Stoizismus mit eingeflossen und in ihm aufgegangen – und hält sich bis heute! 

(Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es auch schon frühere Erwähnungen der Kynikern geben soll, Jahrhunderte vor Antisthenes und Diogenes – kann auch sein, keine Ahnung.)

Wikipedia schreibt: “Die Grundidee der kynischen Philosophie besteht darin, jeglichen Besitz auf das Allernötigste zu reduzieren, um Glückseligkeit durch größtmögliche Unabhängigkeit von äußerer Hilfe zu erreichen” – und damit auch weniger Gefahr zu laufen, dass es einem von Außen genommen werden könnte. Ich besitze nicht, damit ich nicht besessen werde! Denn: Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann auch dich.

Die Kyniker kleideten sich (wenn überhaupt) in einfachste Gewänder, machten sich die Armut zur Regel, lebten von Almosen, zogen als Wanderprediger umher und schliefen auf der Straße oder in den Säulengängen der Tempel. Wie Tiere! Zum Vorbild und Ideal nahmen sie sich die Hunde. Im Moment leben, essen, wenn man Hunger hat, in der Sonne liegen und das Leben genießen … keine Scheu, keine Schuld, keine Scham.

Keine Angst, keine Bestechlichkeit und keine Korrumpierung der eigenen Werte oder des eigenen Willens, weil es nichts zu verlieren gibt, weil man sich nichts zu eigen macht, durch gezielte Armut und Anspruchslosigkeit. Die Kyniker dachten, nur so sei wirkliche Freiheit und Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zu erlangen. Wer mit dem Schlimmsten klar kommt, kommt immer klar. So soll Diogenes beispielsweise Statuen angebettelt haben, um zu lernen, mit Ablehnung klarzukommen, um Unabhängigkeit bleiben zu können.

Wie Tyler Durden in dem Film “Fight Club” sagt: “Erst wer alles verloren hat (Bindungen, Abhängigkeiten, Fesseln, Ängste, Begehren etc.), hat die Freiheit, alles zu tun.” 

In ihrer Lehre eines „Zurück zur Natur“ verwarfen die Kyniker die Metaphysik als ebenso sinnlos wie Platons Ideenlehre. Sie betrachteten die Ethik als einzigen Leitfaden und die Natur als einziges Vorbild. Bis zum Punkt der öffentlichen Befriedigung des Sexualtriebs durch Masturbation, was sie als ebenso natürliche Tätigkeit ansahen, wie die Stillung des Hungers durch Essen. So sagte Diogenes beispielsweise: “Könnte ich mir doch den Bauch so reiben, und damit den Hunger vertreiben … (wie durch Masturbation die sexuelle Lust.)”

Eine meiner liebsten und denkwürdigsten Anekdoten über Diogenes handelt von dem Aufeinandertreffen zwischen ihm und Alexander dem Großen (haben sich in echt vermutlich nie getroffen, wenn sie auch etwa zur selben Zeit lebten):

Alexander der Große reist nach Athen, um sich selbst ein Bild vom viel umsprochenen Kyniker Diogenes zu machen und findet ihn in einem Knochenhaufen wühlend wieder, offensichtlich etwas suchend …

Alexander sagt: “Hallo, ich bin Alexander der Große.”

Und Diogenes erwidert (nicht aufschauend): “Und ich bin Diogenes der Hund.”

Alexander fragt: “Warum nennst du dich einen Hund?”

Diogenes: “Weil ich die anbelle, die mir nichts geben.”

Überrascht fragt Alexander weiter: “Und was suchst du in diesem Haufen?”

Diogenes erwidert: “Ich suche die Knochen deines Vaters (König Philipp der Zweite von Makedonien) – doch ich kann sie nicht von denen seiner Sklaven unterscheiden.”

Beeindruckt von der treffenden Dreistigkeit fragt Alexander: “Ich bin ein mächtiger Mann – gibt es denn nichts in meiner Macht stehende, dass du dir wünscht?”

Diogenes blickt kurz auf und erwidert: “Tritt mir nur ein Stückchen aus der Sonne.”

Begeistert ruft Alexander aus: “Wahrlich, wenn ich nicht Alexander wäre [alles habend], dann wünschte ich Diogenes zu sein [nichts brauchend]!”

Und dieser Geist – Gelassenheit und Fassung, durch innere und äußere Unabhängigkeit und Eigenständigkeit – trug und manifestierte sich im Stoizismus weiter.

Abschließend noch eines meiner liebsten und bezeichnendsten Zitate von Diogenes:

“Im Hause eines Reichen gibt es keinen Platz zum Spucken, außer sein Gesicht.”

Klares Statement. Weiter geht es mit den Epikureern.

Epikureismus

Epikur war ein krasser Typ. Heutzutage (und damals vielleicht auch schon) leider ein bisschen Verrufen (auch oder insbesondere von den Stoikern) – aber ich finde, dass er ein paar super Punkte hatte und häufig falsch verstanden oder gar absichtlich falsch gedeutet wurde und wird. Kein blinder Hedonist, sondern ein gemäßigter Genießer.

Epikur (geboren um 341 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph und Begründer der epikureischen Schule. Seine Ansichten werden der Strömung des Hedonismus (altgriech. hēdonḗ – Freude, Vergnügen, Lust, Genuss, sinnliche Begierde) zugezählt und stehen damit den asketischen Ansichten von Stoikern, Kyniker und Co. entgegen.

Das höchste Gut bzw. Sinn und Zweck des Lebens ist laut Epikur die “Ataraxia“ oder auch Seelenruhe (innere Unerschütterlichkeit, Gelassen- und Gefasstheit). Und die gewinnt man unter anderem, so denkt er, durch die Stillung von Begehren. So weit so gut. Er sagt: Manche Empfindungen wollen wir und andere wollen wir nicht. Darum empfiehlt er, die Dinge zu tun, die wir wollen und die, die wir nicht wollen, zu lassen.

Doch anders als häufig dargestellt predigte Epikur nicht blinden Genuss und Zügellosigkeit (wie manch andere Hedonisten), sondern Mäßigung und Beherrschung – teils streng diszipliniert! Nicht klassisch hedonistische Werte wie Lust, Genuss und Vergnügen standen im Vordergrund, sondern das letztendliche Ziel von Wohlsein, Zufriedenheit und Heiterkeit.

So sprachen die Kyrenaiker (andere Hedonisten) beispielsweise von einer “aufgebrachten Lust” welche sie mittels der konstanten Befriedigung ihrer aufsteigenden Begehren zu sättigen versuchten, wohingegen Epikur unter anderem von einer “gesetzten Lust” sprach, welche der bloßen Abwesenheit von Leiden gleichkam. Frei nach dem Motto: Wohl ist, wem nicht unwohl ist. Und er argumentierte: „Wer frei von Leiden ist, kann nicht noch freier davon werden“. Wer weitergeht und noch mehr will, droht ins Gegenteil zu kippen.

So muss man manchmal gewisse Unlust/Unwohlsein in Kauf nehmen, um noch größere Lust und Wohlsein zu ermöglichen. Zum Beispiel ist der Entzug des Rauchens für einen Raucher erstmal unangenehm, auf lange Sicht aber doch sehr viel angenehmer.

Doch Epikur hatte noch sehr viel mehr zu bieten. Leider sind die meisten Schriften und Überlieferungen verloren gegangen. Einiges wissen wir aber doch. Im Folgenden stichpunktartig meine Notizen, mein Umriss, zur Lehre Epikurs.

Konkret nannte Epikur (u.a.) folgende Quellen des Unwohlseins:

  1. Angst
  2. Begierde
  3. Schmerzen

Unwohl = Etwas fehlt zum naturgemäßen Zustand + unerfüllbare Bedürfnisse.

Wie können wir diese Quellen des Unwohlseins meistern und überkommen?

1. Angst verstehen und überkommen

Angst = Erwartung eines Übels in der Zukunft

Welche Ängste haben Menschen üblicherweise:

  1. Angst vor den Göttern (Schicksal etc.)
  2. Angst vor dem Tod

Warum Angst ablegen?

Göttern und Tod entkommen = Unerfüllbares Bedürfnis.

Darum Furcht vor Göttern und Tod ablegen! Doch wie geht das?

Argumente, warum Menschen die Götter nicht fürchten sollten:

  1. Wesen der Götter widerspricht dem, dass es die Götter interessieren würde, was hier unten auf der Welt mit uns passiert.
  2. Alles, was hier unten auf der Welt passiert, ist naturwissenschaftlich und ohne das Zutun der Götter erklär- und erkennbar.

Warum fürchten Menschen den Tod?

  1. Angst vor Schmerzen beim Ableben
  2. Ewiger Schrecken nach dem Tod, Hölle
  3. Leere, Empfindungsmöglichkeiten, Nichts
  4. FOMO, Leben verpassen, nicht mehr Dasein

Was Epikur dazu sagte:

Alles Gute und Schlechte liegt nur in der eigenen Wahrnehmung. Objektiv betrachtet sind die Dinge weder gut, noch schlecht, sondern einfach nur existent. 
Beim Sterben verlieren wir die Wahrnehmung. Also ist Tot gleich Wahrnehmungslosigkeit. Das bedeutet: Tod ist für uns weder gut noch schlecht, weil wir ihn ohnehin nicht wahrnehmen.

Sein (ziemlich geniales) Fazit:

“Wenn ich bin, ist der Tod nicht, und wenn der Tod ist, bin ich nicht. Warum also fürchten?”

2. Begierde verstehen und überkommen

Begierde liegt in zukünftigen Lustempfindungen.

Es gibt natürliche und leere Begierden.

Natürliche Begierden = Notwendige Begierden. 

Notwendige Begierden:

  1. Lebensnotwendige Begierden
  2. Begierden zur Störungsfreiheit (?) 
  3. Begierden zum glücklich sein

Arten von Genuss und Vergnügen:

  1. Was wir Notwendiges wollen (Grundbedürfnisse)
  2. Was wir Mittelmäßiges wollen (Luxus, Sex, Alkohol)
  3. Was wir Schädliches wollen (Macht, Ruhm, Reichtum)

Leere Begierden lassen sich ablegen.

Epikur sagte: “Was gut ist (notwendig), ist leicht zu bekommen”. (Beispiel: Essen wächst auf Bäumen, Wasser fließt in Flüssen/fällt vom Himmel etc.)

Nur auf die notwendigen Begierden konzentrieren, die sich leicht erfüllen lassen.

3. Schmerz verstehen und überkommen

  1. Schmerz als notwendiges Übel erkennen bzw. als positiv deuten, das höhere Gut. Langfristige positive Konsequenzen. Ärztliche Behandlungen beispielsweise sind gut, Sport und Muskelkater sind gut etc.
  2. Kompensation durch Lust (Meditation). Kopfschmerzen durch schöne Musik „übertönen“, an wohlbringende Momente und Situationen denken, sich ablenken, Schmerzen aufwiegen und übertönen etc.

Doch was, wenn sich Schmerzen weder kompensieren noch umdeuten lassen (z.B. schwere Erkrankung etc.)?

  1. Starke Schmerzen währen nur kurz! Wird der Schmerz zu groß, tritt das Ableben ein. Bleiben wir bewusst, ist der Schmerz ertragbar (unter natürlichen Umständen). Entweder ist die Zeit kurz – oder das Leiden klein.

Zum letzten Punkt: Früher starben die Menschen schneller an schlimmen Krankheiten, wegen fehlender medizinischer Mittel. Epikur selbst soll beispielsweise, der Überlieferung nach, an einer schmerzhaften Nierenerkrankung gestorben sein. Nach Tagen und Wochen des Hinraffens soll er sich im Beisein seiner Freunde mit einer Flasche Wein in eine Wanne mit heißem Wasser gelegt haben und schließlich gestorben sein.

Auf Epikur und seine Lebensweise gehen übrigens auch moderne Kloster-Traditionen zurück (soweit ich weiß). So bestand für Epikur das ideale Lebensumfeld in einander zugewandten Gemeinschaften mit guten Freunden und Gleichgesinnten. Er selbst hielt sich mit seinen Freunden einen Garten in Athen (daher auch der Name “Philosophen des Gartens“), der sich sogar noch Jahrhunderte über sein Ableben hinaus gehalten haben soll – zu guter Letzt auch durch die Förderung des großen und bekannten Stoikers und Philosophen-Kaisers Marcus Aurelius.

Zum Abschluss dieses Abschnitts noch mal die vier Grundsätze der Epikureer, quasi als Zusammenfassung und Fazit der Lehre Epikurs und seiner Anhänger.

Die 4 Grundsätze der Epikureer (Tetrapharmakos):

  1. Fürchte die Götter (Schicksal etc.) nicht
  2. Mach dir keine Sorgen um den Tod
  3. Glück ist leicht zu bekommen
  4. Leid ist leicht zu ertragen

Und weiter geht es mit dem Stoizismus.

Kernpfeiler des Stoizismus

Eine valide Möglichkeit, diesen Artikel bzw. das Thema Stoizismus zu gliedern, wäre es, ihn in frühen, mittleren und späten Stoizismus aufzuteilen (unterscheiden sich zu Teilen). Eine andere Möglichkeit wäre, ihn nach Inhalt aufzuschlüsseln – das ist, was wir machen.

Für die Stoiker (bzw. für Epiktet, auf den ich mich hier hauptsächlich beziehe) sind Taten wichtiger als Worte, weshalb die Ethik, die gelebte Praxis von Tugend und Vernunft, vor allem im heutigen Stoizismus, den höchsten Wert genießt. Doch die Bereiche der Logik und Physik sind nicht weniger wichtig, sondern sogar Teil der Voraussetzung für eine gute Praxis. Sie lassen überhaupt erst erkennen, was eine gute Praxis ausmacht.

Ich finde die folgende Reihenfolge am geeignetsten, weil die Erkenntnis am Anfang steht (kein Erkennen = kein Verstehen), der zweite Teil, die Physik, das nötige Weltbild gibt – den Grund, die Motivation und den Antrieb – und der dritte Teil die finale Handlung ins Zentrum rückt. Das Beste kommt zum Schluss. Und darum geht es dann letzten Endes auch. Gut leben in der Praxis und in Übereinstimmung mit der Natur und Wirklichkeit.

Kernpfeiler des Stoizismus:

  1. Logik = Was ist Wirklichkeit/Natur?
  2. Physik = Warum ist Wirklichkeit/Natur?
  3. Ethik = Wie leben gemäß Wirklichkeit/Natur?

Im folgenden widmen wir uns diesen drei Kern-Pfeilern, bevor wir uns dann im nächsten Kapitel dem eigentlichen Kern der konkreten Praxis widmen.

Los gehts mit der Logik.

1. Logik

Der Begriff “Logik” leitet sich von dem altgriechischen Wort “Logos” ab, was soviel wie “Vernunft” oder “die Vernunft betreffend” bedeutet. Die Logik umfasst einerseits die formalen Regeln des Denkens und korrekten Argumentierens als auch jene Teile der Sprache, in denen gedankliche Operationen zum Ausdruck gebracht werden. Etwas zu wissen heißt für die Stoa, eine Aussage behaupten zu können, die nachweislich wahr ist.

Die Logik ist für die Stoiker das Mittel der Wahl, um die Wirklichkeit zu erkennen und zu beschreiben. In gleicher Weise nannten die Stoiker diese Wirklichkeit bzw. das Vorgehen und Bestehen von allem “Logos” (der Weltengeist) – so ähnlich, wie die Daoisten das Voranschreiten von allem “Dao” nannten. Logik = den Logos (Wirklichkeit) erkennen. Logik im Stoizismus ähnelt der Klarsicht im Daoismus und der Erleuchtung im Buddhismus.

“Logos” Wortbedeutung: Kann soviel wie Wort, Sinn, Ausdruck oder Vernunft bedeuten, oder auch Definition (Aristoteles), Gesetzmäßigkeit (Heraklit), Darstellung und Erklärung (Platon), Weltengeist (Cicero, Hegel), Universelles Prinzip, logische Abfolge, Wirklichkeit, Ursache und Wirkung, Kausalität und Konstante, Tun-ergehen-Prinzip, Aktion/Reaktion, Determinismus (Stoiker), Gegenteil von Mythos (Sophisten). Vergleiche auch: Manitu, Dao, Qi, Brahman, Maya, Gott, Schicksal, Allah. Oder: Die Natur. Alles natürliche! Pantheismus – alles ist Gott/göttlich/von Gott durchströmt bzw. Gott ist der Strom, der Strom ist Gott.

Dinge als das sehen, was sie sind. Weder gut noch schlecht. Absolute Objektivität. Nicht interpretieren, nicht werten (Umsicht statt Unvernunft). Den eigenen Verstand (Logos) nutzen, um sich dem “größeren” Verstand (Logos) anzupassen. In Einklang mit ihm fließen. Einheit und Einssein. Annehmen, was ist (Kunst der Zustimmung). Alles, was ist, muss auch sein, ist richtig. Ein Ereignis voller Demut annehmen (mehr dazu später).

2. Physik

Der Begriff “Physik” leitet sich vom altgriechischen “Physis” ab, was soviel wie “Natur” oder “Beschaffenheit” bedeutet. Lässt sich auch mit Naturkunde übersetzen. Stoiker sind und waren keine Metaphysiker, sondern Materialisten. Das bedeutet, dass im stoischen Weltbild (ganz ähnlich unserem heutigen Verständnis) alles Seiende aus kleinen Teilchen zusammengesetzt ist. Und diese Zusammensetzungen wandeln sich permanent. So wird auch der Tod nicht als Problem gesehen, sondern als ganz normaler Teil des Wandels.

Wikipedia schreibt zum stoischen Naturverständnis: Aus einem Urfeuer, dem Aither, entsteht gemäß der stoischen Lehre alles Seiende. Aller Stoff (Hyle) ist durch göttliche Vernunft (Logos) beseelt (auch Pneuma/Atem genannt). So ist die stoische Lehre gleichermaßen materialistisch wie pantheistisch: Das göttliche Prinzip des Logos durchwirkt den Kosmos in allen seinen Bestandteilen und ist (nur) in ihnen anzutreffen.

Darum, so denken die Stoiker, sollten wir auch für uns und das Wohl aller eintreten und die Welt aktiv mitgestalten. Der Mensch will (und sollte) Gutes tun, weil alles miteinander verbunden ist und voneinander abhängt (Interdependenz). Tust du Schlechtes und machst du die Welt schlechter, wird alles schlechter, tust du Gutes und machst du die Welt besser, wird alles besser. Für dich, für alle, für immer (Karma-Prinzip).

Wichtiger Wert und Begriff hierbei ist auch “Sympatheia” (mitfühlen, mitschwingen; altgriech. sym = mit und pathos = erleiden, erdulden bzw. Gemütsbewegung, Affekt, Leidenschaft): Alle Dinge im Universum sind verbunden und voneinander abhängig, interagierend. Alles ist eins und alles beeinflusst sich gegenseitig. Das Ganze ist in Sympathie bzw. Schwingung mit sich selbst. Wechsel- und Zusammenwirkungen vermeintlich einzelner, separater Teile in Verbundenheit als Gesamtnatur.

3. Ethik

Der Begriff “Ethik” leitet sich von griechisch “ē̂thos” (Charakter, Sinnesart) und “éthos” (Gewohnheit, Sitte, Brauch) ab und befasst sich mit der praktischen Moralphilosophie bzw. mit der Frage nach dem rechten und tugendhaften Handeln. Was ist das Ziel der Ethik der Stoiker? In Übereinstimmung mit der Natur und der Wirklichkeit (Vernunft/Logos) zu leben. Und wie gelingt das? Durch Tugendhaftigkeit (im Sinne von “taugen” und “tätig sein”).

Das Idealbild der stoischen Ethik, der stoische Weise, lebt in vollkommener Übereinstimmung mit der Natur, welche mit Vernunft und Tugendhaftigkeit gleichgesetzt wird. In allen Handlungen des vollkommenen Weisen spiegeln sich gleichermaßen alle vier Kardinaltugenden wieder: Weisheit, Tapferkeit, Mäßigung und Gerechtigkeit. Diese vier Tugenden gelten als Herzstück und Leitmotiv der stoischen Ethik (mehr dazu später).

Doch anders als beispielsweise Aristoteles (siehe Blogbeitrag “Eudaimonismus”), dachten die Stoiker, dass zur Erfüllung eines guten Lebens lediglich die Einhaltung der eigenen guten Tugenden nötig sei – und nichts anderes. Nichts Materielles und keine äußeren Umstände, nur das eigene “richtige” Handeln ist von Relevanz. Ein gut geführtes Leben IST ein gutes Leben. Die Tugenden nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Zweck selbst.

Die Stoiker verstanden sich und alle Menschen (und Wesen) als ein Teil eines großen Ganzen, so wie sich auch Diogenes schon als Kosmopolit (Weltbürger) betrachtete. Für die Stoiker war das eigene Leben und die Gesellschaft vergleichbar mit der Rolle eines Schauspielers in einem Theaterstück. Jeder sollte, zur Erfüllung und Entfaltung des eigenen Glücks, seine, ihm von den Göttern zugewiesene Rolle, bestmöglich spielen.

Und wie das geht, klären wir in den folgenden Abschnitten.

Wie geht Stoizismus?

Die folgenden Punkte sind nur eine mögliche Betrachtungsweise bzw. Kategorisierung des Ganzen. Das komplette Themenspektrum des Stoizismus ließe sich wohl auch mit gänzlich anderen Schwerpunkten definieren – doch das sind die von mir gewählten Pfeiler.

Generell, wie auch am Ende dieses Textes noch einmal erwähnt, ist der Stoizismus weit weniger systematisch überliefert, als beispielsweise der Buddhismus. Lässt sich sagen: Der Fokus liegt mehr auf dem praktischen Ausleben als auf der Theorie.

Die 5 von mir gewählten Schwerpunkte des Stoizismus:

  1. Freier Wille und Determinismus
  2. Dichotomie (Zweiheit) der Kontrolle
  3. Selbstbeherrschung und Gelassenheit
  4. Tugendhaftigkeit und Gemeinwohl
  5. Tod und Sterben im Stoizismus

Los gehts mit dem “freien Willen”.

Freier Wille und Determinismus

Der Logos der Stoiker, das logische und konsequente aufeinander Aufbauen aller Geschehnisse, lässt sich durchaus als eine Art Determinismus beschreiben. Alles bedingt sich gegenseitig und steht in ständiger Wechselbeziehung. Aktion und Reaktion. Alles ist, wie es ist, weil alles war, wie es war – und so wird es auch immer sein. 

Dennoch waren und sind die Stoiker fest davon überzeugt, dass das eigene Glück vollends – und das heißt wirklich ausschließlich – in unseren eigenen Händen liegt. Wir sind quasi (nur) unser eigener Wille und (nur) den können wir immer ausleben. Doch wie lässt sich der “freie Wille” mit dem logischen Determinismus vereinen?

Chrysippos nannte folgendes Bild: Wenn jemand einen Stein einen Berg hinab wirft, dann kommt der initiale Anstoß zur Bewegung zwar (deterministisch) von außen, doch die eigentliche Ursache, wie und ob der Stein letzten Endes rollt und springt – liegt in seiner eigenen Form bzw. Prägung, in seinem eigenen Wesen bedingt. Die Umstände liegen außerhalb, dein Handeln liegt bei dir.

Kleanthes verglich die Freiheit des Menschen mit der eines Hundes, der an einen fahrenden Wagen gekettet ist: Er kann nebenher laufen, oder er weigert sich und wird hinterher gezogen.

Seneca formulierte es so: “Es führt einen das Schicksal, wenn man zustimmt – wenn man sich weigert, schleppt es einen fort.”

Bedeutet: Manche Dinge liegen in unserer Hand, andere nicht.

Und damit geht es im nächsten Abschnitt weiter.

Dichotomie (Zweiheit) der Kontrolle

Die stoische Philosophie basiert (vor allem nach Epiktet) zu großen Teilen auf der Unterscheidung zwischen Dingen, die in unserer Macht stehen, und solchen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Diese zentrale Unterscheidung soll dem Menschen helfen und überhaupt erst ermöglichen, sich auf das Wesentliche zu besinnen, um somit schlussendlich innere Freiheit und Gelassenheit zu ermöglichen und zu entfalten.

Epiktet beschreibt es so:

Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere nicht. Dinge, die in unserer Macht stehen, sind Erwartungen, Intentionen, Verlangen, Abneigungen und, mit einem Satz, alles, was unserem eigenen Tun entspringt. Dinge, die nicht in unserer Macht stehen, sind unser Körper, unser Eigentum, unser Ruf, unsere Stellung und, mit einem Satz, alles, was nicht unserem eigenen Tun entspringt.

Die Dinge, die in unserer Macht stehen, sind von Natur aus frei, ungebunden und ungehindert. Die Dinge aber, die nicht in unserer Macht stehen, sind schwach, unfrei und abhängig. Sie gehören nicht uns. Denke also daran: Wenn du annimmst, dass die Dinge, die von Natur aus unfrei sind, frei sind, und dass das, was nicht dir gehört, dein Eigentum ist, dann wirst du auf Hindernisse stoßen. Du wirst klagen, du wirst aufgewühlt sein und du wirst Götter und Menschen für schuldig erklären.

Wenn du aber nur das für dein Eigen hältst, was dein Eigen ist, und das, was nicht dir gehört, als das erkennst, was es wirklich ist, dann wird dich niemand jemals zwingen oder zurückhalten können. Du wirst niemanden tadeln oder anklagen und du wirst nichts gegen deinen Willen tun. Niemand wird dich verletzen können, du wirst keine Feinde haben und kein Leid kann dir geschehen.

Das bedeutet:

  • Kontrollierbar (deine Aufgabe): Gedanken, Handlungen, Einstellungen
  • Nicht kontrollierbar (nicht deine Aufgabe): Äußere Ereignisse, Meinungen anderer, Zufälle

Das Ziel oder die Lösung ist also, sich nur auf das von uns Kontrollierbare zu konzentrieren und zu besinnen, auf das, was in unserer Macht steht. Alles andere wäre wohl Energieverschwendung oder gar ein sicherer Weg zum Unglück aufgrund falscher Vorstellungen und Erwartungen, da wir es ohnehin nicht verändern, sondern maximal mit beeinflussen können. Und das tun wir eben am besten mit dem, was wirklich in unserer Macht steht, nämlich mit unserer Haltung, unserem Handeln und unserem Sein.

Epiktet sagt dazu beispielsweise auch:

Wenn du Abneigung gegenüber Krankheit, Tod oder Armut hast, so wirst du unglücklich werden. Gib also all deine Abneigung gegenüber Dingen auf, die nicht deiner Kontrolle unterliegen, und übertrage sie auf die Dinge, die deinem Tun und deiner Kontrolle unterliegen. Denn wenn du etwas ablehnst oder begehrst, das nicht in deiner Macht steht, so wirst du zwingenderweise enttäuscht werden.

Wenn wir diese “Dichotomie/Zweiheit der Kontrolle” schaffen zu meistern, steht unserer inneren Freiheit und Gelassenheit – Eudaimonie – nichts mehr im Wege.

Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Selbstbeherrschung und Gelassenheit

Im Grunde dreht sich im Stoizismus alles um Gleichmut und Gelassenheit. Gelassenheit ist DAS zentrale Element des Stoizismus, so wie wir auch im heutigen Sprachgebrauch von einer “stoischen” (unbewegten) Gemütsruhe reden. Doch mit stoisch und unbewegt ist nicht “Gefühllosigkeit” gemeint. Auch Stoiker können fühlen, doch lassen sie sich davon nicht so steuern und mitreißen, wie manche andere das vielleicht tun (lassen).

Es geht um Ausgeglichenheit, um Balance, um inneren Frieden und Ruhe im Sinne der Konstanz des Logos. Es geht um Haltung und Fassung einerseits und Lösung und Gelassenheit andererseits. So habe ich gehört: “Das Leben schwingt konstant zwischen Festhalten und Loslassen – beides hat seinen Moment, beides seinen Sinn. Manchmal gibt uns das Festhalten halt, und manchmal macht uns das Loslassen frei.”

Es geht um die Kontrolle von Impulsen und bewusstes Handeln, statt blindes Reagieren. Die Stoiker denken zum Beispiel, dass “negative” Emotionen zumeist durch falsche Urteile, Vorstellungen und Erwartungen hinsichtlich der Wirklichkeit entstehen. Wenn wir die Dinge als das sehen, was sie wirklich sind (weder gut noch schlecht, vergänglich etc.), dann laufen wir auch weniger Gefahr von ihnen überrascht und aus der Bahn geworfen zu werden.

Selbstkontrolle durch Verständnis der Wirklichkeit. Zum Beispiel das Thema “Tod”: Wenn wir wissen (und auch wirklich glauben/verinnerlichen), dass alles in konstantem Wandel und in ständiger Veränderung ist, dann verzweifeln wir auch nicht am Tode von Geliebten, sondern trauern auf dieselbe Art und Weise, mit der wir uns auch freuen, wenn ein neuer Mensch, ein neues Kind geboren wird. Den konstanten Wandel wie einen guten Freund in die Arme schließen, statt sich vor ihm zu verschließen. Annehmen statt Ablehnen.

Nicht Nicht-Fühlen (Emotionslosigkeit), sondern Gefühlen mit Verständnis und Vernunft begegnen. Sie verstehen. Gefühle weisen auf Bedürfnisse und Geschehnisse/Vorgänge in uns hin. Sie verständigen unseren Verstand. Und dein Verstand navigiert dann weiter. Idealerweise mit Vernunft, so wie es der Natur, der Wirklichkeit, dem Logos entspricht. 

Man darf sich auch freuen und trauern, aber man sollte eben nicht in “blinde” Verzweiflung stürzen, wenn die Quelle der Freude mal weichen sollte, weil das ja ganz normal/natürlich und unausweichlich ist. So ist die Wirklichkeit. Und wer was anderes denkt oder erwartet, hat es eben falsch verstanden – versteht die Wirklichkeit nicht wirklich.

Spannend an dieser Stelle auch eine passende Definition des Begriffs “Disziplin”: Disziplin leitet sich von dem lateinischen Begriff “disciplīna” ab, was soviel wie Lehre, Zucht oder auch Schule bedeutet. Ein Freund nannte mir dazu einmal das Bild eines „Disciples“ (zu deutsch: Schüler): Du bist heute der Jünger, der Schüler, deines zukünftigen Selbst. Das bedeutet: Die Früchte, die du (dir) heute schaffst, wirst du in Zukunft ernten können.

Ich habe ganz schön viele praktische Notizen aus Alltagssituationen zu diesem Bereich – diese findest du am Ende dieses Beitrags im Abschnitt “Praxis und eigene Notizen”.

Weiter geht es mit der Frage, wie wir gut und gelassen leben können.

Tugendhaftigkeit und Gemeinwohl

Richtungsweisend waren den Stoikern, wie auch schon im Abschnitt “Ethik” angesprochen, unter anderem die vier Kardinaltugenden. Ein gutes Leben ist ein tugendhaftes Leben. Über Tugendethik, insbesondere aus aristotelischer Sicht, habe ich bereits einen ausführlichen Blogbeitrag geschrieben (Eudaimonismus).

Die 4 stoischen Tugenden (was man machen sollte):

  1. Mut
  2. Weisheit
  3. Mäßigung
  4. Gerechtigkeit

-> Tugend = Das, was man tut bzw. tun sollte (von althochdeutsch “taugen” und “tüchtig”).

-> Tugendhaftigkeit = Eigener Wille/Selbst in Übereinstimmung mit Natur und Wirklichkeit.

Laut der stoischen Philosophie kann ein gutes Leben prinzipiell auch in Gefangenschaft oder unter Mangel gelebt werden, solange du doch alles hast, was du zum tugendhaften Leben brauchst – bis hin zur freien Entscheidung des Todes als Ausweg, falls die äußeren Umstände ein gutes Leben nicht mehr möglich machen sollten.

Gut ist nicht, materielle “Güter”, Gesundheit oder Geld zu haben – das sind alles externe Dinge, die nicht in deiner Hand und nicht deinem Tun unterliegen (sie sind nicht DEINE Güter), sondern gut ist lediglich, was du mit den dir gegebenen Umständen machst. Krankheit ist beispielsweise weder gut noch schlecht. Lediglich dein Umgang damit kann gut (z.B. indem du gelassen damit umgehst) oder schlecht sein (z.B. wenn du daran verzweifelst).

Passend zu den vier Tugenden, quasi als Pendant und Gegenstück, gibt es auch die vier Leidenschaften (das, was Leiden schafft und was darum gelassen werden sollte).

Die 4 Leidenschaften (was man lassen sollte):

  1. Verzweiflung/Bedrängnis (Unangenehm; Gegenwart)
  2. Angst/Sorge (Unangenehm; Zukunft)
  3. Schwelgen/Verzücken (Angenehm; Gegenwart)
  4. Verlangen/Lust (Angenehm; Zukunft)

-> Leidenschaft = Das, was Leiden schafft.

Die Empfindungen von Verzweiflung und Bedrängnis (Lypē) sowie Angst und Sorge (Phobos) entstehen aus falschen Urteilen über gegenwärtige oder zukünftige Übel.

Die Empfindungen von Verlangen und Lust (Epithymia) sowie Schwelgen und Verzücken (Hēdonē) entstehen aus falschen Urteilen über gegenwärtige oder zukünftige Güter.

Leidenschaften sind Falsch-Deutungen der Wirklichkeit. Zum Beispiel, wenn du denkst, dass etwas Äußeres (nicht dir gehörendes) gut oder schlecht sei, oder dass etwas unter deiner Kontrolle sei, was in Wahrheit gar nicht unter deiner Kontrolle ist, oder dass dir etwas gehören würde, was gar nicht dir gehört (z.B. dein Körper, Gegenstände etc.) …

Für die Stoiker sind alle Leidenschaften Ausdruck fehlgeleiteter Werturteile, da nur Tugend (Leben gemäß der Natur/Wirklichkeit) wirklich gut und nur Laster (Leben wider der Natur/Wirklichkeit) wirklich schlecht ist. Ziel ist “Apathie” – die Freiheit und Gelassenheit von Leidenschaften und die Entwicklung von “Eupratheia” – vernünftiger, tugendhafter Emotionen (siehe vorheriger Abschnitt “Selbstbeherrschung und Gelassenheit”).

Zum Ende des Hauptteils und zum Abschluss dieser “5 Schwerpunkte des Stoizismus” geht es weiter mit dem bedeutenden Thema: Tod und Sterben im Stoizismus.

Tod und Sterben im Stoizismus

Den Stoikern war das Thema Tod, ähnlich wie auch den meisten anderen (allen?) großen Religionen und Philosophien, ein sehr wichtiges Thema – und kein unliebsames. So wie die Stoiker alles mit Fassung und Gelassenheit betrachteten, so sahen sie auch den Tod nicht als Übel oder besorgniserregend an. Ganz im Gegenteil. Er galt ihnen sogar als Mahnmal und Maßstab, um den Wert des Lebens und des Wohlseins überhaupt erst erkennen zu können.

Ziemlich bekannt ist der stoische Leitspruch “Memento Mori”, was soviel bedeutet wie “Wisse, dass du stirbst” oder “Bedenke deine Sterblichkeit”. Was sagt uns das? Das führt uns die Kostbarkeit unseres Lebens vor Augen und lässt uns unsere Zeit gut nutzen.

Sterben und Totsein ist kein Schrecken, sondern ein ganz normaler Teil aller Existenz. Ohne Tod, kein Leben und andersrum. Und warum fürchten? Wie Epikur sagte: Wenn wir sind, ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, sind wir nicht – kein Problem also! Wie John Lennon sagte: Der Tod ist, wie von einem Fahrzeug in ein anderes zu steigen. Konstanter Wandel. Du bist ja heute auch nicht mehr so, wie du noch vor ein paar Jahren warst.

Dein altes “Ich” gibt es schon lange nicht mehr. Und dein jetziges wird es auch bald nicht mehr geben – so auch dein Zukünftiges.

Ich denke, die Zeit nach dem Tod ist vergleichbar mit der Zeit vor unserer Geburt. Und diese Zeit haben wir ja auch überstanden. Im Grunde waren wir unendlich lange nicht, dann wurden wir geboren und leben, und dann sterben wir und sind wieder nicht. Den Fokus weniger darauf legen, dass der Tod uns das Leben nimmt (und wir etwas verlieren), sondern erkennen, dass uns das Leben überhaupt erst geschenkt bzw. geliehen wurde. 

Epiktet sagt dazu beispielsweise:

Sage niemals: “Ich habe etwas verloren.” Sage stattdessen: “Es ist zurückgegeben worden.” Ist dein Kind gestorben? Es ist zurückgegeben. Ist deine Frau tot? Sie ist zurückgegeben. Wurde dein Vermögen beschlagnahmt? Nun, ist nicht auch das zurückgegeben? “Aber der, der es weggenommen hat, ist ein schlechter Mensch.” Welchen Unterschied macht es für dich, wenn der Geber beauftragt hat, es zurückzunehmen? Solange es dir zum Besitz gegeben ist, kümmere dich darum, doch betrachte es nicht als dein Eigentum. Betrachte es, wie ein Reisender sein Hotel.

Auch Selbstmord (bzw. selbstbestimmtes Sterben) war zu dieser Zeit wohl weitaus üblicher, als das Thema heute ist. So hielten die Stoiker Selbstmord für zulässig und akzeptabel, wenn die eigenen Umstände und/oder die eigene Verfassung einen selbst daran hindern würden, ein tugendhaftes und selbstbestimmtes Leben zu führen – etwa wenn man unter starken Schmerzen, Repressionen, Zwang und Folter, hohem Alter und körperlichen Gebrechen oder einer schweren Krankheit litt. 

Ist dies jedoch nicht der Fall und wollte man sich beispielsweise “einfach” nur aus Frust, Trauer oder Verzweiflung umbringen, so wäre das wohl als eine Verweigerung der sozialen Pflichten bzw. als Scheitern und als Attest der Unfähigkeit das eigene Leben zu meistern angesehen worden. Im Grunde vielleicht ähnlich, wie wir das auch heute betrachten.

Dennoch eben, Tod und Selbstmord per se, weder gut noch schlecht.

Kommen wir zum Ende des Artikels.

Abschluss und Empfehlungen

Dieser Artikel ist unerwarteter Weise ziemlich lang geworden, weil ich das Thema, wie bereits erwähnt, schwer zu greifen finde, da der Stoizismus weitaus weniger systematisch aufgebaut und ausgearbeitet ist, als beispielsweise der Buddhismus. Als nächstes folgt eine weiterführende Leseempfehlung, dann kommt ein kleines Fazit und danach folgen noch ein paar stoische Zitate und eigene Notizen.

Mich hat in Sachen Stoizismus am meisten inspiriert und gelehrt, neben den Selbstbetrachtungen von Marcus Aurelius, das Enchiridion von Epiktet! Das Enchiridion ist eine Sammlung von 53 kurzen Kapiteln – persönliche Notizen und Mitschriften eines Schülers Epiktets (Arrianus) – welche klare und praktische Anweisungen und Blickwinkel enthalten, wie sich die stoischen Prinzipien konkret im Alltag anwenden lassen.

Der griechische Begriff “Enchiridion” bedeutet wörtlich übersetzt etwa “griffbereit” oder “zur Hand haben”. In Bezug auf ein Buch ergibt sich damit die klassische Übersetzung “Handbuch”. Gleichzeitig stand der Begriff früher auch für einen am Gürtel hängenden, stets zugriffsbereiten und immer mitgeführten Dolch. Auf Epiktets Enchiridion passen beide Bezeichnungen hervorragend. Das kleine Handbuch der stoischen Lebensführung ist so schneidend und pointiert, so zielgerichtet und treffend – wie ein scharfer Dolch.

Das Büchlein lässt sich vermutlich in unter einer Stunde komplett durchlesen, wenn auch die Meisterung seiner Inhalte ein Leben lang zu praktizieren ist. Ich habe eine eigene, gut lesbare und “authentische” Version geschrieben bzw. übersetzt und interpretiert. Sowohl als eBook als auch zum selber Ausdrucken und Binden auf DIN A6 in Japan-Bindung. Von mir als praktizierendem Stoiker – für dich und euch als praktizierende Stoiker.

Meine Version des Enchiridions: 

Du findest aber auch online zahlreiche (ebenfalls gute) kostenfreie Versionen.

Weiter geht es mit einem kurzen Fazit.

Fazit und Zusammenfassung

Für die Stoiker liegt der Schlüssel zum Glück im tugendhaften Sein, durch das Verständnis und die Anpassung an die natürliche Ordnung der Welt (Logos). Eben dieses “Angepasst-Sein” entspricht der Tugendhaftigkeit. Tugendhaft ist, wer in Einklang und Harmonie mit allem Seienden, der Natur und der Wirklichkeit, schwingt und fließt.

Wie in einem Theaterstück: Alles hat seinen Platz und seinen Zweck (denn: Alles ist, wie es ist, weil alles war, wie es war). Und alles, was wir tun können, ist die uns zugewiesene Rolle, bestmöglich zu spielen. Nichts ist gut oder schlecht, außer unser eigenes Denken und Handeln. Sind wir unglücklich, interpretieren und navigieren wir die Wirklichkeit offensichtlich “falsch” bzw. mangelhaft. Liebe dein Schicksal (Amor Fati – wie auch Nietzsche sagte) und sei der Tenor deines Lebens – der Held deiner (unserer) Geschichte.

Es ließe sich noch vieles mehr sagen – alles weitere steht im Artikel. Oder besser noch: Lies direkt das Enchiridion von Epiktet (siehe vorheriger Abschnitt).

Als nächstes noch ein paar Zitate.

Stoische Sprüche und Zitate

Im folgenden Abschnitt ein paar meiner liebsten stoischen Zitate aus meiner persönlichen Sammlung. Nicht nur von “offiziellen” Stoikern, aber doch alle im stoischen Sinne. Halte dir die Sprüche beständig vor Augen und lass dich von ihnen inspirieren und bekräftigen.

Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen und leiden lassen, sondern unsere Betrachtungsweise dieser.

  • Epiktet

Ich kann dem Tode nicht entweichen, doch der Angst davor kann ich entgehen.

  • Epiktet

Es ist unmöglich, etwas zu lernen, von dem man glaubt, es schon zu wissen.

  • Epiktet

Wer verlieren will, gewinnt immer.

  • Epiktet

Reichtum ist nicht viel zu haben, sondern wenig zu brauchen.

  • Epiktet

Vivere militare! (Life is being a soldier)

  • Seneca

Nicht arm ist der, der wenig hat, sondern der, der nach mehr verlangt.

  • Seneca

Um zu sterben, bist du geboren.

  • Seneca

Wir haben nicht zu wenig Zeit, wir verschwenden zu viel davon. Auch zur Vollbringung der größten Dinge ist das Leben lang genug, wenn es nur gut angewendet wird.

  • Seneca

We learn as we teach (by teaching, we learn) – Lernen durch lehren

  • Seneca

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

  • Seneca

Wer es versucht, kann scheitern, wer es nicht versucht, scheitert sicher.

  • Unbekannt

Dem Armen mangelt es an vielem, dem Geizigen an allem.

  • Publilius Syrus

Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.

  • Marcus Aurelius

Die Dinge sind an sich weder gut noch schlecht, erst die Weisheit macht sie zu Gütern und die Torheit zu Übeln. Daher ist es die Aufgabe jedes Menschen, in erster Linie Weisheit anzustreben. Wenn ihm dies gelingt, erlangt er die Eudaimonie.

  • Plato

Die Probleme und Kriege der Staaten, oder auch der Menschheit an sich, werden kein Ende nehmen – bis nicht Könige Philosophen werden oder Philosophen Könige – und Macht und Weisheit somit in denselben Händen liegen.

  • Platon

Sparsamkeit ist eine gute Einnahme.

  • Cicero

Wer nichts will, hat alles.

  • Unbekannt

The secret of happiness is not found in seeking more, but in developing the capacity to enjoy less.

  • Unbekannt

Ich mache mich selbst reicher, indem ich meine Wünsche reduziere.

  • Henry David Thoreau

Im Hause eines Reichen gibt es keinen Platz zum Spucken – außer sein Gesicht.

  • Diogenes

Wie viele Dinge gibt es doch, die ich nicht brauche!

  • Sokrates

Was gut ist, ist einfach zu bekommen.

  • Epikur

Das wollen und schätzen, was wir haben.

  • Epikur

Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.

  • Epikur

Wenn ich bin, ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, bin ich nicht – warum also fürchten?

  • Epikur

Das beste Ende, das man sich wünschen kann, ist ein selbst gewähltes. Schicksal ist vorherbestimmt – unser Handeln nicht.

  • Unbekannt

Und zum richtigen Abschluss: Meine eigenen, stoischen Notizen.

Praxis und eigene Notizen

Das vielleicht Beste hier zum Schluss: Meine eigenen, echten und nahbaren Notizen aus dem Alltag. Ganz im Stile der Selbstbetrachtungen von Marcus Aurelius. Ich kann dir empfehlen, mal eine Zeit lang ähnliches zu tun. Einfach aufschreiben, wenn dir ein guter Gedanke oder eine Erkenntnis kommt. Das Aufschreiben brennt uns unsere Gedanken förmlich (noch mehr) ein. So manifestieren wir sie und machen sie uns greifbarer.

Los gehts mit meinen praktischen Alltags-Tipps und Erkenntnissen.

Kümmere dich weniger darum, was andere denken, und mehr darum, was du denkst. Vor allem, wenn diese anderen auf eine Art und Weise leben, die du dir nicht zum Vorbild nehmen willst bzw. die du vielleicht sogar gänzlich für schlecht hältst – dann solltest du auch ihrer Meinung wenig Wert beimessen.

Das einzige, das wir machen können und auf das wir Wert und Fokus legen sollten, ist das, was wir selber tun können: Gute Menschen sein. Gut sein kann man nur selbst.

Wenn jemand etwas Dummes tut oder sagt, dich respektlos behandelt oder irgendetwas tut, das dich triggert – bleibe gefasst und dir und deinen Werten treu.

Die Unwissenheit, Unachtsamkeit oder Unfähigkeit anderer Menschen (auch dir gegenüber) rechtfertigt nicht (und relativiert auch nicht) eine mindestens ebenso verachtenswerte Reaktion deinerseits. Was andere tun, sagen und machen, liegt nicht in deiner Hand. Du kannst, musst und sollst nur entscheiden, wie du darauf reagierst. Und du reagierst gefasst, bedacht und wohlwollend. Gehe auf die zugrunde liegenden Bedürfnisse ein – den Kern der Sache des Anliegens deines Gegenübers – und nicht auf seine unreife Art und Weise der Kommunikation.

Wie quengelnde (Klein-) Kinder: Die können sich ja auch nicht besser ausdrücken. Und Erwachsene, die nie gelernt haben, sich zu zügeln und zu artikulieren, sind auch nur (wie) große Kinder – eingeschränkt in ihren Möglichkeiten (wie wir alle). Du denkst vielleicht “Aber das sind doch Erwachsene” – in Wahrheit sind es aber nur große Kinder. Betrachte die Menschen als das, was sie sind: Große Kinder. 

Wasser statt Stein sein.

Forme dich um Sturköpfe herum, statt selbst ein Sturkopf zu sein.

Wenn jemand etwas Dummes zu mir oder über mich sagt, dann sagt das nichts über mich aus, sondern nur über die Person selbst, die es gesagt hat.

Genauso auch, wenn sich mir gegenüber jemand respektlos verhält – kein Grund aus der Haut zu fahren, die Person schadet nur sich selbst (ihrem eigenen Ansehen, Karma etc. – der eigene Charakter ist das eigene Schicksal).

Es geht nicht darum, ob der Stein eine Seele hat oder ob dein Gegenüber deinen guten Willen verdient. Es geht darum, wie du der Welt begegnest – allem – um deiner eigenen selbst Willen. Tue alles, was du tust, nur für dich. Weil du es willst, weil du denkst, dass es das Richtige ist. Nicht um der anderen Willen, für jemand anderen. Da entstehen nur Erwartungen, Abhängigkeiten, Korrumpierung, falsche Vorstellungen etc. Tust du es für dich, tust du es für alle (alles ist eins) und läufst nicht Gefahr, dich dabei zu verbiegen.

Um es noch klarer zu sagen: Lebe ein Leben zum Wohle aller, weil du es für das richtige hältst – nicht, weil du denkst, die anderen würden es von dir wollen/erwarten etc.

Behandle andere Menschen, wenn sie dich reizen, provozieren oder herausfordern, so, wie Kunden in einem Laden. Verhalte dich wie ein Butler oder Diener. Depersonalisieren, nicht persönlich nehmen, eine Rolle spielen. Sie sprechen nicht mit dir, sondern mit der Position, die sie denken, dass du einnimmst (ob wahr oder falsch ist erstmal zweitrangig). Widersprich nicht und nicke und Blicke verständig – der Kunde ist König. Du kannst es für dich, im Stillen, besser wissen und musst deine Überzeugung niemandem aufdrücken, der sie nicht hören will. Was schert den Wolf das Geblöke der Schafe?

Auch im Rettungsdienst, mit meiner Uniform, war und verhielt ich mich ganz anders als ohne Uniform und privat. Im Rettungsdienst hatte ich ein diszipliniertes und “offizielles” Mindset, so wie es von mir erwartet wurde und so wie ich es selbst erwarte. Ich trat nicht für mich auf, sondern für die Institution, die ich repräsentierte. Ich fühlte mich objektiver. 

Das können wir uns auch in unserem eigenen Leben zu eigen machen, wir müssen es nur so zu sehen und zu betrachten lernen bzw. eben umsetzen und machen.

Alle Menschen tun, was sie für gut und richtig halten. Das Problem dabei ist, dass manche bereit sind, ihr (subjektiv gewertetes) Gutes und Richtiges mit Gewalt durchzusetzen.

Verzichte deshalb aus Prinzip auf Gewalt so gut es geht, denn am Ende liegst du vielleicht selbst mit deinen Ansichten und Überzeugungen daneben.

Aufgrund meiner eigenen Beschränktheit habe ich oft wenig Kapazität für die Beschränktheit anderer Menschen. Würde ich mich und mein Leben besser im Griff haben, könnte ich besser mit den Schwächen der anderen umgehen. Nicht die Dummheit der anderen ist das Problem, sondern meine eigene.

Bezüglich der Beschränktheit von uns Menschen, frage ich mich manchmal, warum wir nicht alle erleuchtet sind, sondern gefühlt nur einen kleinen Teil unserer Hirn-Leistung nutzen können. Vielleicht liegt es daran (und dieser ironische Gedanke hat mir geholfen), dass wir historisch als Menschheit und Weltgemeinschaft soviel Inzest betrieben haben. 

Ob wir nun alle von Adam und Eva abstammen, oder nicht. Als Beispiel Dschingis Khan: Dschingis Khan war ein mächtiger Mongolen-Eroberer der vor rund 800 Jahren jede Menge Kinder gemacht hat. Und diese Kinder haben wieder Kinder gemacht und so weiter und so fort. Darum geht man heute davon aus, dass rund 0,5 Prozent der männlichen Weltbevölkerung – das sind rund 16 Millionen Menschen – Nachfahren von Dschingis Khan sind. Und das ist nur EIN Beispiel … so sind wir alle irgendwie auch miteinander verwandt.

Dieser Blickwinkel hilft mir, unserer aller Beschränktheit besser anzunehmen.

Wir können halt nicht anders! Rein biologisch bedingt schon nicht.

Warum also aufregen?

“Freue dich, dass du dich menschlich verhältst, wenn auch noch unvollkommen.”

  • Marcus Aurelius

… als ob der Mensch vollkommen sei. Ich kenne nichts “unvollkommeneres” als den Menschen – mit Ausnahme seiner Kreationen.

Wie im Buddhismus. Dort stellt man sich die Frage, ob auch Tiere Erleuchtung erfahren können … Absurd! Ich gehe eher davon aus, dass NUR die Tiere erleuchtet sind und frage mich eher, ob auch der Mensch Erleuchtung erfahren kann?

Wie indigene Völker kommunizieren und verhalten. Ruhig und gefasst sein, präsent, und nur sprechen, wenn es etwas zu sagen gibt.

Frage dich vor dem Sprechen/Reagieren: Ist es gut, was ich antworten will? Ist es wirklich? Ist es wahr? Ist es notwendig? Ist es weise/liebevoll/relevant?

Antworte nicht sofort und impulsiv, sondern halte (immer) erst einen Augenblick inne und denke über das Gesagte bzw. das Gehörte (und vor allem auch über das Gemeinte) nach.

Insbesondere, wenn du getriggert und gereizt reagierst! (Weil ein Punkt getroffen wurde.)

Mache dir dieses Innehalten und Reflektieren zur Gewohnheit. Als Automatismus.

Challenge: Nicht mehr zornig werden und die Wut unkontrolliert heraus platzen lassen.

Damit einhergehen: Verteidige dich nicht immer gleich. Vergiss dein Ego (für einen Moment) und überlege kurz und möglichst objektiv, ob die Person dir gegenüber vielleicht Recht haben könnte, statt dich gleich zu rechtfertigen. 

Kleiner Hinweis: Wenn du gereizt und getriggert auf etwas reagierst, dann kann das darauf hinweisen, dass die Person evtl. einen “wunden” Punkt anspricht, an dem du selbst gerade innerlich (und ggf. auch unterbewusst) am Arbeiten und Knabbern bist.

Sich keine Meinung machen oder die eigene UND die andere Meinung stehen zu lassen, ist auch eine Option!

Du kannst auch entscheiden, dich nicht aufzuregen. Du hast die Freiheit, darüber nachzudenken, über was du nachdenken willst, mit was du deinen Geist befüllst, worauf du den Fokus, dich und deine Zeit, deine Energie lenkst und legst, was für dich wesentlich ist und was du dir (für dich) für wesentlich erklärst.

Ist es das wert? Gibt es Alternativen? Was ist die beste Lösung? Gibt es vielleicht keine Lösung? Dann komm runter und akzeptiere die Realität. Das, was sein muss, das Richtige, das Wirkliche, das Wahre. Du kannst entscheiden, ob du mit Frust, Wut und Verzweiflung leben möchtest oder mit Dankbarkeit, Fassung, Bewusstsein und Gelassenheit. 

Liebe, Kraft und Weisheit sind nicht nur Worte (sondern innere, zu lebende Eigenschaften).

“Zorn ist genauso ein Zeichen von Schwäche wie Leid und Verzweiflung.”

  • Marcus Aurelius 

Alles ist, wie es ist, weil alles war, wie es war.

Achtsam sprechen und denken und achtsam kommunizieren und reagieren.

Bedacht mit Worten umgehen.

Weniger sprechen, mehr Wertschätzen und Zuhören.

Wie Seneca (?) sagte:

“Wir haben zwei Ohren, um doppelt soviel zu hören, und einen Mund, um halb soviel zu sprechen.”

Weiteres Konzept von Seneca (?):

Lernen durch Lehren. Sich selber meistern, indem man anderen ein Vorbild ist.

Wie im Zen:

Der beste Lehrer hat (ständig) das Mindset eines Schülers/eines Lernenden.

Gemeinsam wachsen, lernen und lehren.

Nicht sagen/denken: Das war schlecht/nicht gut.

Sondern: Das war so gut, wie ich/du/wir es geschafft haben. So gut es ging. Bestmöglich.

Nicht sagen/denken: Es geht nicht.

Sondern: Ich weiß noch nicht, wie. Ich sehe noch keinen Weg.

Werte und Urteile nichts mehr in “gut” und “schlecht”, das außerhalb deines eigenen Tun und Handelns liegt. Dinge im Außen, die außerhalb deines Wirkungskreises sind, die du nicht beeinflussen kannst, sind einfach nur. Nicht gut, nicht schlecht, sie sind einfach. 

Akzeptiere die Welt, Vorgänge und Handlungen deiner Mitmenschen so, wie sie sind und reagiere exzellent. Miss deinen Erfolg an deinem eigenen Handeln. Sei dir selbst der Maßstab. Warum sollte dich die Meinung derer interessieren/tangieren, deren Verhaltensweisen du ohnehin verachtest bzw. die du für unweise und fehlgeleitet hältst?

Ich muss mir keine Moral von Mördern und Verbrechern erklären lassen und ich muss keinen Kapitalisten gefallen, deren System und Wirtschaften ich kritisiere. Gebe nichts auf deren Zuspruch oder Ablehnung, wo doch deren Werte und Prioritäten offensichtlich gänzlich andere sind. In den Augen der Verrückten ist der Weise verrückt.

Betrachte “störende” Probleme als Herausforderungen und als eigene Möglichkeit zu wachsen und deine Exzellenz zu zeigen und scheinen zu lassen. Dir selbst gegenüber – ist doch deine Lebenszeit und -weise das einzige, was wirklich (nur) dir gehört und dir je gegeben wurde. Blühe für dich selbst. Alles andere ist unwichtig.

Memento Mori.

Und was ist mit Essen und Co? Ist das auch weder gut noch schlecht? Indifferent?

Antwort: Es gibt vorzuziehendere Zustände und unbequemere Zustände. Das eine ist nicht per se besser oder schlechter als das andere, doch wenn man eine Wahl hat, wählt man das, was man will, und wenn man keine Wahl hat, dann gibt es auch nichts zu wählen. Ergo, weder gut noch schlecht. Es ist einfach nur.

Warum ärgern, wenn du es ändern kannst?

Und warum ärgern, wenn du es nicht ändern kannst?

“Be excellent in every situation. The worse/the harder the better: More chance to shine.”

Auf Deutsch:

Gib immer dein Bestes bzw. meistere jeden Moment bestmöglich.

Je größer die Herausforderung, desto größer die Gelegenheit zu scheinen.

Das chinesische Schriftzeichen für “Krise” setzt sich aus den Zeichen von “Chance” und “Gefahr” zusammen. Weil jede Krise, jeder Umbruch, jeder Wandel sowohl die Möglichkeit der Besserung birgt, als auch die Gefahr der Verschlechterung.

Betrachte Krisen als Fenster bzw. Chancen zur Besserung (statt ihnen mit “blinder” Panik zu begegnen).

Nichts kann uns verletzen, außer wir selbst. Wir sind nicht unser Körper. Unser Körper unterliegt nicht unserer Kontrolle. Wir sind nur, über was wir verfügen. Es sind nicht die Dinge selbst, die uns verletzen, sondern unsere Wertungen und Beurteilungen dieser.

(Sind wir nicht auch unser Körper? Die Atome, aus denen unser Körper derzeit zusammengesetzt ist, gehören uns nicht, gehörten uns nie und werden uns auch nie gehören. Wenn wir schon in dieser Logik sind, dann würden wir – unser Geist – eher den Atomen unseres Körpers gehören – denn die waren ja schon lange vor uns da (und werden wohl auch noch lange sein: Nichts kann nichts entstehen und alles entsteht aus allem).

Stoische/buddhistische Meditation:

Vergegenwärtige dir die guten, positiven Eigenschaften anderer und halte sie dir täglich (oder wann immer nötig) vor Augen. Es sind vor allem die schlechten, negativen und unwohlen Taten, Handlungen und Verhaltensweisen, die uns in Rage bringen und erzürnen.

Wie der Topf-Vergleich bei Epiktet (Enchiridion):

“Alles hat zwei Seiten: An der einen Seite festhaltend, lässt sich etwas ertragen, an der anderen Seite festhaltend, lässt sich etwas nicht ertragen. Wenn dein Bruder ungerecht handelt, dann halte nicht am Griff der Ungerechtigkeit fest, denn dadurch wirst du seine Tat nicht weiter tragen können, sondern halte stattdessen an der Gegenseite fest, nämlich, dass er dein Bruder ist und ihr gemeinsam aufgewachsen seid. Halte die Dinge so fest, wie du sie ertragen kannst.”

 … wie ein heißer Topf, bei dem ein Griff näher am Feuer stand. Lieber an dem Griff halten, der besser zu tragen ist.

Besinne dich in diesen (trigger) Momenten auf das Gute (allgemein und auch im Anderen) und sei Dankbar für alles, was du (auch durch die Schattenseiten der anderen) lernen und erfahren darfst, um daran zu wachsen und überhaupt zu leben, statt selbst ins Schlechte zu verfallen und dein Negatives hervor zu lassen. Sei exzellent und lerne am Spiegelbild anderer, auch wenn es dir nur zur Abgrenzung dient. Mache es selbst besser.

Den größten Störenfried zum größten Meister machen. 

Das größte Übel als größte Lehre betrachten.

Das Schlechteste zum Besten kehren.

Stelle dir eine Person vor, zu der du aufblickst, die du in hohen Ehren hältst. Egal ob real oder fiktiv. Frage dich: Was würde diese Person tun? Wie würde sie sich verhalten? Würde sie tun, was ich tue bzw. zu tun gedenke? Strebe nach Excellens!

Werde selbst zum Vorbild. SEI dein Vorbild!

Freiheit:

Vielleicht ist Freiheit nicht so wichtig, wie ich lange dachte. Wir sind sowieso nie frei. Ich wünschte, ich könnte fliegen, aber ich kann es nicht. Ist auch in Ordnung. Ich kann trotzdem glücklich und zufrieden sein. Sind die Menschen im “freien” Europa glücklicher als die Menschen im “autoritären” China? Ich denke nicht. Es geht nicht darum, frei zu sein (was ist das überhaupt?) sondern darum, glücklich zu sein, mit der Wirklichkeit, mit dem, was wirklich ist.

(Lieber gefangen im Paradies, als frei in der Apokalypse?)

Wenn du nach Ruhe strebst, tue weniger. Tue nur das Wesentliche.

Das hat zwei Vorteile: Du tust weniger – und du tust es besser.

Frage dich: Ist das wirklich nötig?

Verzichte auf Annahmen.

Das waren meine Notizen und das ist der Artikel.

Danke fürs Lesen, liebe Grüße und alles Gute,

Adrean

PS: Bei Fragen, Anregungen oder Feedback, schreib mir gerne eine E-Mail an: mail@adrean.de

Weitere Infos zum Thema: Siehe Blog “Philosophie” und eBook “Enchiridion”.

Bild des Autors, Adrean, rauchend im Wald, in der Frühlingssonne.

Hi, ich bin Adrean.

Living life like a role-play game

Ich nähe meine eigene Kleidung, schlafe auf dem Boden, koche mit nur einem Topf und wasche meine Wäsche per Hand, statt mit Maschine. Hier dreht sich alles um einfaches Leben! Für weitere Infos abonniere meinen Newsletter (10% Rabatt-Code) oder schreib mir eine E-Mail.