Im letzten Beitrag ging es um meinen Trainingsplan (Prison Workout) und in diesem Beitrag geht es um Meditation – das geistige Pendant zum körperlichen Sport. So wie wir unseren Körper mit Übungen fit halten können, so können wir auch unseren Geist mit Meditation trainieren. Körper & Geist – Sport & Meditation. Und wie das geht, erörtern wir jetzt!
Was ist Meditation?
Der Begriff „Meditation“ leitet sich vom lateinischen Wort „meditatio“ ab, was soviel wie „Ergründen“ oder „Ersinnen“ bedeutet. Das Konzept der Meditation bzw. das, was wir im Allgemeinen darunter verstehen, basiert vor allem auf fernöstlichen Praktiken und Geistesübungen – insb. Buddhismus, Hinduismus/Yoga und Daoismus – welche dort unter anderem unter der Bezeichnung “Dhyāna” geläufig sind. Dhyāna bezieht sich sowohl einen meditativen Zustand als auch die Praxis, die zu einem solchen führt.
Wikipedia sagt: „Dhyāna lässt sich als ein Erfahrungsakt der reinen Beobachtung beschreiben, bei der das menschliche Ego und seine Gedanken keine Rolle mehr spielen; der Zustand der Zeitlosigkeit und der kosmischen Verbundenheit wird erfahrbar.“ – gefällt mir als Definition!
Wenn man mich persönlich bisher gefragt hat, was Meditation für mich ist, dann habe ich zumeist so etwas gesagt wie: Ein tiefes „sich-versenken“, im Sinne der Einheitserfahrung und Ich-Auflösung. Oder: Bewusstes Steuern und Kultivieren einer bestimmten Geisteshaltung.
Synonyme Begriffe für Meditation bzw. verschiedene Arten der Meditation können auch Kontemplation (etwas betrachten/ersinnen), Kultivation (einen Geisteszustand kultivieren), Konzentration (innere/äußere Sammlung), Invokation (Beten) oder Devotion (Hingeben) sein.
Warum Meditation?
Glücklich sein, Fokus gewinnen, zur Ruhe kommen, bewusst werden, Antworten und Klarheit finden, Loslassen lernen, ankommen und annehmen, Stolz und Ego abbauen, Gefühle und Emotionen zügeln und lenken, Disziplin aufbauen, in Verbindung gehen, Einheit erfahren, träumen und visionieren, Demut und Mäßigung praktizieren, Wirklichkeit erkennen uvm.
Meditation ist für mich bewusstes sein und tun. Warum sollten wir das tun? Um endlich anzukommen! Wenn wir alle Wünsche und Vorstellungen zumindest für die Zeit der Meditation über den Haufen werfen und fallen lassen, dann erhaschen wir in diesem Zeitfenster einen kurzen Einblick in den Zustand der leid-befreiten Erleuchtung. Frieden, und Stille, und nichts mehr zu erreichen. Keine ToDo’s, einfach sein, Bedürfnislosigkeit, Freiheit und Erfüllung.
Das gibt Kraft und Energie. Wie ein Neustart, wie nach Hause kommen. Die Wolken vom Himmel fegen und mal ordentlich durchlüften. Nirvana (z. dt. Erlösung, Gelöstheit, Befreiung, Einswerdung) ist kein Ort in der Zukunft, Nirvana ist ein Blickwinkel, eine Einstellung, ein Seins-Zustand, ein Augenblick im hier und jetzt. Nirvana ist eine Entscheidung, eine Wahl, die wir in jedem Moment bewusst und bestimmt treffen können – oder nicht!
Wie geht Meditation?
Meditation ist im Grunde sehr leicht, je nachdem, was man darunter versteht oder verstehen möchte. Es gibt viele verschiedene Arten von Meditation. Jede Kultur hat ihre eigenen Praktiken und zumeist sogar viele verschiedene. Ich schildere an dieser Stelle vor allem, was ich selber darunter verstehe bzw. teile meine Prägung zu diesem Thema. Als Start- bzw. Ausgangspunkt nutze ich die bereits angesprochenen Synonyme und Praktiken der klassischen Meditation.
Meditation:
Ein Weg der Meditations ist zum Beispiel die Achtsamkeits-Meditation (im Sinne von Bewusstsein) – wobei es auch dabei vielerlei unterschiedliche Herangehensweisen gibt. Lenke deine Achtsamkeit auf die Achtsamkeit selbst. Sei und handle achtsam. Wie geht das? Frage dich: Bin ich gerade bewusst? Jetzt bist du bewusst! So einfach kann es gehen.
Achtsames Arbeiten, achtsames Sprechen, achtsames Essen, achtsames (Selbst-) Beobachten sowie achtsames Üben und Praktizieren – das alles kann Meditation sein.
Eine weitere Art der Meditation ist die Zen-Meditation. Der japanische Begriff „Zen” leitet sich vom chinesischen Begriff „Chan” ab, welcher sich wiederum direkt von dem indischen Begriff Dhyāna ableitet. Also: Dhyāna = Chan = Zen = Meditation. „Zazen” bedeutet soviel wie „Sitz-Meditation“ und die bekannteste Sitzmeditation im Zen ist „Shikantaza”.
Shikantaza bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie “einfach sitzen” oder “nur sitzen”. Setze dich einfach aufrecht hin (Lotus- oder Schneidersitz), leere deinen Geist und nimm die Wirklichkeit wahr. Ob stundenlang oder nur kurz zwischendurch als Mikro-Meditation. Loslassen = Annehmen. Einfach nur sitzen und die Wirklichkeit wahrnehmen.Nicht-Anhaften.
Kontemplation:
Kontemplation bezeichnet ein „konzentriertes Betrachten von etwas“. Die vielleicht einfachste und verständlichste Form von Kontemplation ist einfach „nachdenken“. Wenn du dich hinsetzt oder einfach nur einen Moment lang sammelst und über einen Sachverhalt grübelst, dann ist das bereits eine Art der Kontemplation – bis hin zu den tiefsten Tiefen des Betrachtens.
Ich kontempliere oft und gerne (manchmal vielleicht ein bisschen zu gerne. Ich neige dazu Dinge zu „zerdenken“ und mache mich manchmal ein bisschen verrückt deshalb). Vielleicht könnte kontemplieren auch als Gegenteil der Zen-Meditation betrachtet werden. Wo bei Shikantaza die Gedanken losgelassen werden, werden sie beim kontemplieren bewusst und gezielt gelenkt. Am besten von allen Richtungen betrachten.
Zu wissen ist nicht nur zu wissen, was man weiß, sondern auch zu wissen, was man (und das man) nicht weiß. Ziehe auch Gegenteile, Paradoxon, die eigene Fehlbarkeit etc. in Betracht.
Kultivation:
Laut Wikipedia versteht man unter Kultivierung „die Schaffung und Aufrechterhaltung von Bedingungen, die ein Wachstum von bestimmten Organismen gewährleisten, oftmals auch verbunden mit deren Vermehrung“. Gleiches gilt auch für meditative Geistes-Zustände, die wir bewusst durch diverse Praktiken, Übungen und Rituale kultivieren können.
Das kann von klassischer Meditation und der gezielten Aufnahme von äußeren Eindrücken und Impulsen, über bestimmte Verhaltensweisen, Rituale und Zeremonien, bis hin zur eigenen Kleidung und den Gegenständen gehen, mit denen wir uns umgeben. Ich achte zum Beispiel auf eine möglichst natürliche Umgebung und Lebensweise, weil mir diese dann, im Umkehrschluss, möglichst wohltuende und natürliche Impulse und Eindrücke bietet.
Du bist und wirst, mit was du dich umgibst. Eindrücke formen Gedanken, Gedanken werden Worte, Worte folgen Taten, Taten bilden Gewohnheiten und Gewohnheiten werden Schicksal und Wirklichkeit. Wähle weise, mit was du dich fütterst und was du in dir kultivierst.
Konzentration:
Einhergehend mit allen bisherigen Punkten, dennoch auch für sich alleinstehend, ist die Konzentration. Eine weitere Praxis die meditativ angestrebt und verfolgt werden kann (zum Beispiel im klassischen Yoga). Konzentration im Sinne der bewussten und gezielten Bündelung oder Sammlung des Geistes auf einen Punkt. Ein möglicher Weg zu Einklang.
Ich spreche häufig auch von Fokus-Arbeit. Der unkonzentrierte Geist ist in diesem Beispiel wie das (zerstreute) Licht des hellichten Tages – überall ein bisschen – so wie ein vernebelter Geist von Gedanken vernebelt und unklar ist. Der konzentrierte Geist ist wie ein Brennglas, eine Linse oder ein Edelstein, der das Licht bündelt und den Geist klar und rein macht – konzentriert.
Und wie geht das? Zum Beispiel durch die hier beschriebenen Techniken und Herangehensweisen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Übung und Praxis. Visualisiere dir, stelle dir Bildhaft vor, was dir wichtig ist und lenke deine Aufmerksamkeit auf diesen Punkt.
Invokation:
Invokation ist, wie ich erfahren durfte, eigentlich eine Technik aus dem Okkultismus bzw. der sogenannten „Magie“. Ich verwende den Begriff aber als Synonym für „Beten“, einfach nur wegen der Endung „-ion“ – passt besser zu Meditation, Kontemplation etc. Invokation bezieht sich auf die Anrufung (von etwas) im Inneren, Evokation auf die Anrufung im Äußeren.
Klassisches Beten mache ich selten, doch wenn, dann gerne und freudig. Einfach losbeten, sowie du denkst, dass gebetet wird. Die Hände falten (wenn du willst), einen inneren Monolog starten (oder was auch immer) und Verbindung aufbauen (zu sich selbst und/oder zu dem „Objekt“ der Anbetung). Was bringt das? Klarheit, Verbindung, Sinnhaftigkeit etc.
Devotion:
Eine weitere Möglichkeit der meditativen Praxis (neben vielen weiteren) ist „Devotion“ (lat. devotio „Ergebenheit“). Devotion beschreibt einen Weg der Hingabe und Unterwerfung – einhergehend mit Demut und Dankbarkeit sowie Gesten und Gedanken der Ehrerbietung und Ergebenheit – und findet in so gut wie allen Religionen anklang (Bhakti-Yoga etc.).
Was sind Gründe und Vorteile von Demut, Hingabe und Unterwerfung? Praktiken der Devotion können zum Beispiel beim Annehmen von Widrigkeiten und Wirklichkeit helfen sowie beim Loslassen von Ego, Schwächen, Lastern etc. (indem das eigene Leben, Wollen und Sein in den Hintergrund tritt, weil es etwas größerem, höheren anheim gestellt wird).
Das eigene Leben zum Erblühen bringen, indem man den Fokus weg vom eigenen selbst lenkt. Wie Gandhi sagte: Sich selbst finden, indem man sich in anderen/anderem verliert.
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Ganz schön langer Text mal wieder. Liest das überhaupt jemand? Egal! Hauptsache praktizieren. Zu diesen Themen ließe sich noch vieles mehr schreiben. Ein andermal.
Liebe Grüße und alles Gute,
Adrean


