Schlafen ohne Geld

Wie auch Essen und Trinken, so ist Schlaf eines unserer absoluten Grundbedürfnisse. Wir verbringen etwa ein Drittel unseres Tages (ein Drittel unseres Lebens) schlafend. Eine sichere und erholsame Nacht gibt uns Kraft wie nichts anderes.

Wichtiges Ziel unseres (Über-) Lebens ist der Erhalt der Körperkerntemperatur. Nachts wird es kälter, Feuchtigkeit legt sich ab und unser Kreislauf fährt runter. Der menschliche Körper schafft drei Wochen ohne Essen, aber nur ein paar Stunden ohne Schutz und Wärme.

Egal ob Decke und Tarp oder Schlafsack und Zelt, ich empfehle immer eine Kombination aus Wärmeerhalt und Regenschutz. Weil mir Plastikfreiheit sehr wichtig ist, nutze ich selbst meistens ein oder zwei dicke, warme Wolldecken und manchmal auch ein Tarp aus Hanf oder Baumwolle!

Doch nicht nur die Ausrüstung ist wichtig, auch die Wahl des passenden Schlafplatzes ist von hoher Bedeutung. Unser Nachtlager sollte warm, trocken und gut geschützt sein. Ausserdem natürlich bequem und optimaler Weise eben (d.h. nicht abfallend). 

Sicherheit

Unabhängig vom Lagerort ist mir Ordnung sehr wichtig – vor allem wenn es ans Schlafen geht. Es kann immer sein, dass nachts jemand kommt oder du das Lager schnell verlassen musst, eventuell auch ohne Licht. Deshalb ist es wichtig, dass du immer weißt wo alles liegt.

Und zwar so, dass du nicht nur alles blind finden kannst, sondern alles auch mit nur einem Griff, zum Aufbruch bereit hättest. Und wenn es nur ein anderer Wanderer ist, es macht einfach keinen guten Eindruck, wenn so alle Habseligkeiten wild verstreut herum liegen.

Das Wichtigste würde ich draußen sowieso immer direkt an mir tragen, auch nachts. In Spanien z.B. wurde mir während des schlafens, von unter meinem Pulli hervor, mein Geld geklaut. Seitdem packe ich meine Wertsachen während des Schlafens in meine Hose – zwischen die Beine.

In Wäldern fühlt es sich für mich ganz gut an, wenn ich nachts z.B. einen kräftigen Stock oder mein Messer neben meinem Bett weiß. Wahrscheinlich ein irrwitziger Gedanke, dass ich das irgendwann mal gebrauchen könnte… aber beruhigen tut es mich trotzdem.

Ausserdem versuche ich, um unerwünschten Begegnungen jeglicher Art aus dem Weg zu gehen, im Allgemeinen möglichst kurz zu lagern. Das bedeutet ich baue auf, wenn es dunkel wird und baue wieder ab, wenn der Tag anbricht – erst dann frühstücke ich und starte in den Tag.

Zum Thema Feuer: Ist zwar, so denke ich, eigentlich unser universelles Recht, aber aufgrund unserer aktuellen gesellschaftlichen und gesetzlichen Situation versuche ich darauf zu verzichten.

Berge und Wälder

Ich versuche immer ein wenig abseits von Wegen oder direkt in Schutzhütten und Jägerständen unterzukommen… letzteres mögen Jäger aber meistens nicht so gern. Natürlich achte ich auf die umliegende Vegetation und mache nichts kaputt. 

Ich passe mich meiner Umgebung an und werde ein Teil ihrer selbst. Ohne Schutzhütte und Co. spanne ich mir gerne mein Tarp auf.

Wenn ich ein schönes Plätzchen gefunden habe, frage ich mich die bekannten W-Fragen: Wind? Wetter? Wasser? Wildnis?

Ist mein Lagerplatz (Tarp, Zelteingang, Feuer) gut vor Wind geschützt? Was passiert wenn sich das Wetter (Regen, Sturm, Blitze) ändert? Könnte Wasser (Hang, Flut, Flussbett) zum Problem werden? Wie sieht die umgebende Wildnis (Wildspuren, Lauffeuer, Totholz) aus?

All diese Punkte können wir entweder für oder gegen uns arbeiten lassen. Schlafen wir zu nah am Wasser, wird der Boden feuchter, Mücken und Co. mehren sich und wir riskieren eine evtl. Konfrontation mit nächtlich trinkenden Wildtieren! 

Sind wir zu weit vom Wasser entfernt, müssen wir lange gehen um uns z.B. zu waschen oder um Trinkwassernachschub zu holen. Oder der Wind… Wir können machen, dass uns Rauch und Regen entweder ins Zelt hinein fliegen – oder eben nicht.

Genauso Totholz. Gut für unser Lagerfeuer, wenn wir es brauchen – weniger gut, wenn es uns nachts auf den Kopf fällt, weil der Wind über uns die absterbenden Baumkronen durchpflügt! Ist der Boden umgewühlt? Dann könnte das auf Wildschweine hindeuten… und so weiter und sofort.

Auch unter freiem Himmel schläft es sich sehr angenehm, ob auf dem Boden oder in der Hängematte. Doch bei beidem ist eine gute Isolierung nach unten hin besonders wichtig. So wie uns Feuer und Heizungen wärmen, lassen uns Wind und kalte Böden auskühlen. 

Wir müssen irgendwie Luft zwischen uns und unserem Untergrund stauen. Zum Beispiel mit herumliegenden Ästen oder Blättern, so dass optimaler weise eine etwa handbreite Schicht (bei Belastung) zwischen uns und dem Boden entsteht. Wenn da nur nicht die Zecken wären…

Für städtischere Gegenden kann ich auch Pappe und alte Kartons zur Isolierung empfehlen. Die Iso-Matten der Straße!

Ansonsten habe ich auch gute Erfahrungen mit Jägerständen gemacht. Die mit Dach und so. Meistens recht eng (manchmal auch mit vielen Spinnen) aber normalerweise ziemlich trocken. Sehr entspannt so eine Nacht – bis einen der Jäger weckt! Aber auch das ging meistens Gut.

Einfach immer verständnisvoll und freundlich sein, Ordnung halten und Herzlichkeit walten lassen. Ich möchte keinem was schlechtes. Und wenn der Jäger mich nicht haben will, dann gehe ich halt woanders hin. Wald war mal unser aller Heimat…

Tankstellen und Parkplätze

Wenn ich am trampen bin, dann schlafe ich gerne auch an Tankstellen. Zum einen weil ich natürlich am nächsten Morgen wieder weiter muss, zum anderen aber auch, weil Tankstellen eine super Infrastruktur bieten. Wasser, Essen, Strom und natürlich Menschen und potentielle Weiterfahrten.

In Frankreich zum Beispiel kamen mir viele Tankstellen vor wie kleine Hotels. (Leider) volle Tonnen mit Essen, oftmals sehr nettes Personal und sogar Aufenthaltsräume in welchen wir (manchmal) schlafen durften. Dazu sehr saubere Wasch- und Toilettenräume und frei zugängliche Steckdosen.

Aber auch weniger luxuriöse Autobahnraststätten haben meistens eine Grünanlage um die Parkplätze herum, mit Bänken, Tischen und Dächern – oder sogar ganzen Pavillons. Wichtig hierbei ist z.B. sich gut mit dem Personal zu stellen. Wenn die einen dulden, dann ist alles ok.

Städte und Bahnhöfe

Bahnhöfe sind wie Tankstellen nur ohne Grünanlagen. Aber auch hier gibt es meistens Bänke, Licht und Strom und Fastfood Restaurants. Da lässt es sich dann immer mal wieder schön aufwärmen, wenns draußen kalt, hart und unbequem ist.

Glücklicherweise kommt es selten vor, dass ich mal in einer Stadt bin und nirgends wo unterkomme. Doch wann auch immer es soweit war – Bahnhöfe haben mich mit offenen Armen aufgenommen. Da ist auch immer was los. Das schafft zumindest ein bisschen Geborgenheit!

Um ehrlich zu sein: Die meisten Bahnhofsnächte waren schlaflose Nächte. Ich versuche meinen Aufenthaltsort immer zwischen „nicht zu publik“ und „nicht zu versteckt“ abzuwägen, um nicht von pöbelnden Junkies in eine Ecke gedrängt werden zu können… Alles schon vorgekommen!

Bänke und Parkanlagen

Bänke sind die Betten der Straße! Wo Menschen gehen, oder besser noch, wo Menschen sitzen wollen, da gibt’s auch Bänke. Sie heben uns vom Boden ab und bieten meist eine halbwegs gerade Fläche. Nur nicht erschrecken wenn Leute kommen.

Und auch die Leute nicht erschrecken. Gewohnheitsgemäß hatten die immer deutlich mehr Angst vor mir, als ich vor ihnen. Nach einem kurzen, vorsichtigem „Hallo“ meinerseits, aus dem Dunklen heraus, war ich meistens schnell wieder alleine. 

Über die meisten Bänke, über die Lehnen, lässt sich oftmals auch ein Tarp spannen… gibt nen feinen Shelter. Auch gibt es im Internet tolle Anleitungen und Techniken, wie wir uns am besten in eine Decke einwickeln können, sodass uns diese mit mehreren Lagen umhüllt. Oben drauf lege ich mir dann meistens noch meinen Mantel, wenn ich ihn den gerade zur Hand habe.

In vielen Städten gibt es Stadtparke und ähnliche öffentliche Anlagen, mit Bänken, Bäumen und Abgeschiedenheit. Allerdings werden einige Parkanlagen nachts abgesperrt und überwacht, wahrscheinlich um genau das zu verhindern. Trotzdem immer eine Überlegung wert.

Ansonsten besteht auch die Möglichkeit lokale Punks oder andere Landstreicher zu fragen, wie und wo die so unterkommen. Das hat mir schon des öfteren weiter geholfen. Da können sich ganz unerwartete Dinge eröffnen. Insider Wissen von Gleichgesinnten.

Besetzte Häuser, Verlassene Gebäude, Festivalkultur

Oft und lange kamen Freunde und ich auch in besetzten Häusern oder verlassenen Gebäuden unter. Das waren meistens Projekte von autonomen Gruppierungen oder anderen alternativen Vereinigungen. Eine wirkliche Subkultur. Netzwerken ist wichtig, Kontakte sind wertvoll.

Wenn du ähnliche Ziele verfolgst und Zugang findest, steht dir da ein riesen Netzwerk zur Verfügung. Kommunen, Ökodörfer, Squats und Demos – Über derlei Strukturen lassen sich relativ schnell und einfach neue Kontakte (und auch Unterkünfte) finden.

Fast immer findet gerade irgendwo ein alternatives Festival oder Szenetreffen statt. Viele Gruppierungen sind weit verbreitet und gut organisiert. Zum Beispiel wären da die Rainbow Gatherings oder Nomadcamps oder einfach aktivistische Orte wie der Hambacher Forst.

Weitere Möglichkeiten

Auch Online ist da einiges zu finden. Zum Beispiel in sozialen Netzwerken oder über einschlägige Keywords und die Suchfunktion. Woofing oder Volunteering fällt mir da zum Beispiel ein – Aktiv sein, unterkommen, neue Freunde finden – in den meisten Fällen eine Win-Win-Situation. 

Ansonsten gibt es natürlich auch Netzwerke wie couchsurfing.com oder trustroots.org. Einfacher geht es eigentlich nicht. Mir wurde auch während des Trampens schon öfters Quartier angeboten, habe ich aber meistens dankend abgelehnt… Unterkunft findet sich immer irgendwo und wenn es zwischenzeitlich bei Freunden und Familie ist!